© Belvedere Wien / Wolfgang Thaler
© Belvedere Wien / Wolfgang Thaler

Projekt

21er Haus

Produkt

OKALUX K

Auftragsvolumen

1.051 m²

Architekten

Architekt Krischanitz ZT GmbH

Fertigstellung

2011

Anwendung

Fassade | Dach

Gebäudetyp

Museum

21er Haus

Wien, Österreich

Respektvoll saniert – Das 21er Haus in Wien – Umbau und Erweiterung des ehemaligen 20er Hauses mit OKALUX K von OKALUX

Fast zehn Jahre stand das 20er Haus in Wien leer, bis es umgebaut und unter dem Namen „21er Haus“ im November 2011 wiedereröffnet wurde. Mit der Sanierung ist es dem Architekturbüro Adolf Krischanitz gelungen, die besondere Erscheinungsform des Gebäudes hervorzuheben und seiner präzisen Gestaltung sogar noch stärkere Ausdruckskraft zu verleihen. Schon im Bestand der 60er Jahre wurden lichtstreuende Kapillargläser von OKALUX verwendet. Anspruch der Architekten war es, eine identische Lichtwirkung wie früher zu erzielen, dabei aber heutige bauphysikalische Anforderungen zu erfüllen. So entschieden sich die Architekten erneut für den Einsatz von Funktionsgläsern von OKALUX.

Ursprünglich war das Gebäude von Karl Schwanzer ein Pavillon, der als temporärer Ausstellungsraum für die Weltausstellung 1958 in Brüssel errichtet wurde. 1962 in Wien aufgebaut, diente das künftige 20er Haus als Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Dieser Tradition folgend wird das 21er Haus heute als Plattform für die österreichische Kunst von 1945 bis in die Gegenwart im internationalen Kontext genutzt. Vorrangiges Ziel bei der Sanierung und Erweiterung war es, das denkmalgeschützte Gebäude in seiner charakteristischen Gestalt zu bewahren. „Hier geht es nicht um Material, nicht um den manifesten Baukörper an sich, sondern vielmehr um den Raum, der durch die Hülle des 21er Hauses generiert wird. Diese Qualität galt es zu erhalten, denn nur in einem Milieu der Leichtigkeit und Luftigkeit kann Kunst atmen“, mit diesen Worten beschreibt der Architekt Adolf Krischanitz, ein Schüler Karl Schwanzers, die Umgestaltung.

Für einen zeitgemäßen Museums- und Ausstellungsbetrieb musste das Gebäude nicht nur erweitert, sondern auch bauphysikalisch sowie brandschutztechnisch und energetisch an heutige Anforderungen angepasst werden. Um die Präsenz des Gebäudes städtebaulich hervorzuheben, hat Adolf Krischanitz das Untergeschoss freigelegt und dem Komplex einen sechsgeschossigen Turm beigestellt, der weithin als Signal wirkt. Das Obergeschoss des offenen Museumsbaus bleibt als Ausstellungsfläche unterschiedlich bespielbar. Die Wechsel-ausstellungsflächen im Erdgeschoss zeichnen sich vor allem durch das Raumerlebnis der monumentalen Mittelhalle und die Sicht auf den Schweizer Garten aus. Im Untergeschoss befinden sich die Bestände der Fritz Wotruba Privatstiftung sowie ein Café-Restaurant mit Gastgarten, ein Skulpturenpark, Garderoben, ein Kinderatelier, Depotflächen und die haustechnischen Anlagen.

Die neue Stahl-Glasfassade des 21er Hauses ist ein Zitat, das heißt in Form und Gliederung identisch mit der ursprünglichen Fassade. Für deren besondere Wirkung war unter anderem das opake Glas von OKALUX im ersten Obergeschoss verantwortlich. Bestehend aus zweifachem Kathedralglas mit einem Vlies und einer dazwischen liegenden Kapillareinlage sorgte es nicht nur für die gleichmäßige Streuung des Lichts, sondern erzeugte auch eine einzigartige Atmosphäre. Anspruch der Architekten war es, diesen Aufbau zu adaptieren, an heutige bauphysikalische Anforderungen anzupassen und zugleich eine identische Lichtwirkung im Innenraum zu erzielen. Mit OKALUX K ist es gelungen, einen optischen Eindruck wie zu Schwanzers Zeiten zu erzeugen und dabei den Ug-Wert der Fassade mit 1,1 W/m²K deutlich zu verbessern. So bieten die transluzenten Kapillargläser neben einem sehr guten thermischen Sonnenschutz und einer hohen Lichttransmission einen deutlich verbesserten Wärmedämmwert im Winter. Entsprechend sind die 90 x 130 cm großen Funktionsgläser aufgebaut: Den äußeren Abschluss bildet eine 4 mm starke ESG-Scheibe Kathedralglas mit unregelmäßig großgehämmerter Oberfläche. Von außen nach innen folgen auf eine Glasvlieseinlage zwei 4 mm starke Floatglasscheiben mit 12 mm Argongasfüllung, wobei die äußere Scheibe in Richtung Zwischenraum mit einer Wärmeschutzschicht versehen wurde. Die 8 mm starke Kapillareinlage im Anschluss ist von zwei Glasvliesschichten umgeben; den inneren Abschluss bildet ebenfalls eine 4 mm starke ESG-Scheibe Kathedralglas mit unregelmäßig großgehämmerter Oberfläche. Damit beträgt die Aufbaustärke rund 36 mm.

Die Lichtwirkung ist verblüffend: Sowohl an den direkt beschienenen als auch an den unbeschienenen Fassaden entsteht ein homogener, diffuser Lichteinfall. Projektleiter Luciano Parodi: „Die Wirkung ist genau so, wie wir uns das erhofft haben.“ Dafür sorgen die im Scheibenzwischenraum eingelegten Kapillarröhrchen. Sie streuen das einfallende Tageslicht gleichmäßig und blendfrei bis tief in den Raum und schaffen damit optimale Lichtverhältnisse im Gebäude, unabhängig von wechselnden Einstrahlungsbedingungen. Ein weiterer Pluspunkt für Museen: Die OKALUX K Kapillargläser schützen die Exponate vor UV-Strahlung und schneller Ausbleichung.

Das 21er Haus erfüllt durch die Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen nicht nur sämtliche Anforderungen eines modernen Museumsbetriebs. Durch den respektvollen Umgang mit der ursprünglichen Bausubstanz ist es Adolf Krischanitz gelungen, die bis dahin stillgelegten Räumen wieder zu beleben und ihnen ihre unverwechselbare Atmosphäre zurück zu geben – ein außergewöhnliches architektonisches Erbe wird bewahrt.

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