© Christian Schwab
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Projekt

Aussegnungshalle Waldfriedhof Aalen

Auftragsvolumen

27 m² | 6 m²

Architekten

C18 Architekten BDA
Markus Kaestle
Andreas Ocker
Michael Roeder

Fertigstellung

2009

Anwendung

Fassade

Gebäudetyp

Sakralbau

Aussegnungshalle Waldfriedhof Aalen

Aalen, Deutschland

Atmosphärisches Gewebe aus Raum und Licht – OKATECH Metalleinlagen sorgen für ungestörten Rückzugsraum

Auf dem Waldfriedhof in Aalen, einer Stadt im Osten Baden-Württembergs, hat das Stuttgarter Büro C18 Architekten BDA beim Umbau der bestehenden Aussegnungshalle mit viel Feingefühl einen Ort geschaffen, der den Hinterbliebenen mit seiner luftig-lichten Atmosphäre einen würdevollen Platz für ihre Trauer gibt.

Vor der Umgestaltung zeigte sich im Innenraum der 1954 von Prof. Karl Gonser entworfenen Aussegnungshalle entgegen der äußeren Gestalt mit dem steilen, hoch aufragenden Dach, mitnichten ein nach oben offener und lichter Dachstuhl, sondern ein von vier kräftigen Stahlbetonbögen begrenzter und dunkel vertäfelter Raum. Die Bögen selber wirkten im Zusammenspiel mit dem polygonalen Verlauf der Dachflächen in ihrer Form unbestimmt und zwitterhaft. Eine wuchtige Treppe zur Empore und das voll gestellte Innere beengten die Halle zusätzlich.

Klarheit, Reduktion und Ordnung

Bei allen Veränderungen, die die Architekten Marcus Kaestle, Andreas Ocker und Michael Roeder vorgenommen haben, stand die Konzentration und Reduktion auf das Wesentliche, verbunden mit einem tiefen Respekt vor der vorhandenen Architektur, vor dem Ort und den Gefühlen der sich hier versammelnden Menschen, im Vordergrund. So blieb die Grundstruktur mit einer Dreiteilung des Raumes in den Eingangsbereich unter der Empore, die Halle und den Chor erhalten. Um den symmetrischen Grundriss und eine geordnete Geräumigkeit im Innern zu unterstützen, stellten die Architekten die neuen Bankreihen nicht mehr außermittig, sondern mittig – ein schlichter aber raffinierter Eingriff. Ebenso erscheint auf den ersten Blick die gestalterische Entscheidung der Architekten die Halbkreisform der Tragstruktur in einer radialen Deckenver­kleidung aufzunehmen zurückhaltend. Sie führt aber zu einer substanziell neuen Raumwahrnehmung und -wirkung: Wie ein Baldachin überspannt nun die bereinigte Bogenform die Aussegnungshalle, stärkt den Kontrast zwischen Innen und Außen und bringt eine erhabene Weite in den Innenraum.

Sinnliche Materialien

Das Bild eines beschützenden Baldachins findet in Aalen seine materielle Entsprechung in der Bekleidung aus Weiden­geflecht. In direkter Analogie zum Ort, der Lage im Wald und den stets vorhandenen Blickbeziehungen in die Natur, bindet das Material die Aussegnungshalle in den Kreislauf des Werdens und Vergehens mit ein. Natürliche, helle Materialien bestimmen den ganzen Umbau. Neben dem Weiß des Kalkputzes an den Wänden, der weißen Metallwendeltreppe zur Empore und deren weißen Brüstung, sorgen helle Brauntöne für eine warme Atmosphäre. Die Bänke aus kanadischer Birke, komfortabel mit Leder gepolstert, stehen auf einem hellen, sägerauen Muschelkalkboden. Der Blick Richtung Osten zum großen Chorfenster ist im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtend. Von einem stilisierten Kreuz aus Messingblech getrennt, werden die künstlerisch gestalteten Scheiben vom Tageslicht hinterleuchtet. Alle anderen Holzfenster und -türen sind aus Eiche mit einer Messing Gewebeeinlage im Scheibenzwischenraum. Diese Einlagen wurden auf Wunsch des Bauherren integriert, um der Trauergemeinde einen ungestörten Rückzugsraum zu geben. Das Isolierglas OKATECH Metallgewebe von OKALUX war hierfür die optimale Lösung. Da die Metalleinlagen im Scheibenzwischen­raum keine indiskreten Blicke von Außen zulassen, sorgen sie für eine vertraute, private Umgebung. Die Durchsicht nach draußen ist jedoch weiterhin sehr gut und das einfallende Licht wird atmosphärisch sanft gefiltert und gestreut. Marcus Kaestle, Partner bei C18 Architekten, erläutert: „Für uns war es wichtig, dass das eingesetzte Produkt dem Hauptthema des Baldachins entspricht. Das Messinggewebe passt in seiner Materialität und Farbigkeit zum handwerklichen Weidengeflecht. Es spricht die gleiche architektonische Sprache wie der Baldachin und wirkt dabei nicht technoid.“

Dank weniger aber entscheidender Eingriffe in die vorhandene Substanz und der verwendeten Materialien werden in Aalen die Qualitäten des Ortes – die Lage im Wald, das große Fenster in der Ostfassade und die verblüffende Dachkonstruktion, deren äußere Form im Innern eine völlig andere Entsprechung findet – sensibel herausgearbeitet.

Referenzen