© Ali Moshiri
© Ali Moshiri

Projekt

Entertainment Center

Produkt

OKAPOINT | OKATHERM

Auftragsvolumen

2.000 m²

Architekten

gmp Architekten von Gerkan, Marg + Partner
Schild Architekten

Fertigstellung

1999

Anwendung

Fassade

Entertainment Center

Hamburg, Deutschland

Das Entertainment Center in Hamburg versucht ein gewerblich geprägtes Areal aufzuwerten – durch ein ungewöhnliches Nutzungskonzept und eine anspruchsvolle Fassadengestaltung. Das dunkle Lichtspielhaus vergangener Tage mausert sich in Hamburg zum Entertainment Center moderner Prägung. Die Architektur steuert den Vorfilm bei: Sehen und gesehen werden als Facette der visuellen Unterhaltung. Die 134 Meter lange Glasfassade ermöglicht den ungestörten Blick nach draußen und lockt zugleich die Ankommenden mit quirligem Treiben im Kinofoyer, dem vielleicht längsten Deutschlands. Die Fassade fungiert als Medienträger und stimmt aufs Thema ein: mit riesigen Filmzitaten auf den Scheiben und einer Durchsicht zu Filmmotiven auf abgehängten Bannern im Innenraum. Die aufwendige Lichtplanung zeigt vor allem in den Abendstunden ihre Wirkung. Scheinwerfer projizieren Schatten des filigranen Tragwerks der punktgehaltenen Glasfassade auf die Innenwand. Farben und Licht gliedern das Gebäude, Farbnuancen und bereits von außen sichtbare Nummern orientieren den Besucher auf seinem Weg zu einem der neun Kinosäle. Das Foyer selbst dient als Aktionsfläche für Medienveranstaltungen und Präsentationen zum Thema Auto und Freizeit.

Das ungewöhnliche Nutzungskonzept mit Multiplex- Kino, Gastronomie, Autohaus, Tankstelle und bald auch einem Fitness Center ist städtebaulich anspruchsvoll. Das langgestreckte Gebäude steht am Friedrich-Ebert-Damm, einer Hamburger Ausfallstraße mit beidseitigen Baumreihen und parallelen Nebenstraßen, die dem Parken sowie der Grundstückserschließung dienen. Durch die Breite der Straße wirken die umliegenden Gebäude als Solitäre. Deutliche Raumkanten und eine merkliche Verdichtung prägen die Kreuzung beim Entertainment Center und bilden den räumlichen Zusammenhang. Der transparente Glasbau rückt bewusst auf die Grundstücksgrenze, um seine öffentliche Nutzung auf diese Weise zu verdeutlichen und verstärkt so den räumlichen Abschluss des Friedrich- Ebert-Damms. Die Gebäudekante liegt erdgeschossig um fünf Meter gegenüber der Grundstücksgrenze zurückversetzt. Dadurch ergeben sich gut sieben Meter hohe Arkaden – ein repräsentativer Vorbereich, der zwischen den Gebäudefluchten der angrenzenden Bebauung vermittelt und zugleich die Durchfahrt der Tankstelle architektonisch integriert. Die Rotunde des Autohauses, eine Schaufront für unterschiedliche Nutzungen und der ansprechende Eingangsbereich akzentuieren das Erdgeschoss. Das Foyer fungiert zugleich als Kassenzone des Multiplex-Kinos sowie als Aktions- und Ausstellungsfläche. Dieser Raum wirkt spannungsvoll durch die Untersicht des großen Kinosaals und mündet in die großzügigen Glashallen der Gastronomiebetriebe und des Autohauses. Im zweiten und dritten Obergeschoss erstreckt sich über die gesamte Länge des Gebäudes das voll verglaste, transparente Kinofoyer. Der offen gestaltete Raum wird als lichtdurchfluteter, verglaster Wintergarten verstanden, der Blickbeziehungen zur Straße ermöglicht. Ein großzügiger Luftraum am Westende des Kinofoyers lässt das Gebäudevolumen weiter auf. Der Blick reicht von hier über den ganzen Friedrich-Ebert-Damm zum Fernsehturm im Hamburger Zentrum.

Für die aus der City kommenden Besucher signalisiert das Entertainment Center seine Nutzung bereits aus der Ferne. Die Ecksituation des Gebäudes wird durch ein separat stehendes, vollständig verglastes Smart-Fahrzeugregal betont. Auf elf Ebenen lagert und präsentiert der Turm die Neuwagen und überragt dabei das Hauptgebäude um gut eineinhalb Meter. Die Rückfassade des Entertainment Centers orientiert sich mit ihrer Gebäudeflucht an der Nachbarbebauung. Dieser Bereich ist auch vom Material her ähnlich wie das angrenzende Bürogebäude mit einer eher geschlossenen Fassade ausgebildet. Die außenliegenden Fluchtbalkone umhüllen eine halbtransparente Metallfassade. Sie dient als Sicht- und Wetterschutz, wobei nachts der Durchblick auf die dahinter liegenden, beleuchteten Kinofassaden möglich ist. Die zweigeschossige Arkadenfassade ist als Pfosten-Riegel- Konstruktion mit maximal großen Scheiben ausgeführt. Der Blickfang des Gebäudes aber, die punktgehaltene Glasfassade des Kinofoyers, beginnt frei hängend in 7,50 Meter Höhe und führt zur Dachkonstruktion in gut 20 Meter Höhe.

Die OKAPOINT - Vorhangfassade erstreckt sich an der Vorderfront über 134 Meter Länge und umfasst in ihrer gesamten Abwicklung 164 Meter. Die Gesamtfläche beträgt 2.000 m2. Die Scheiben mit einem Regelmaß von 3,28 x 1,57 Metern bestehen aus ESG 15 mm, SZR 16 mm, ESG 8 mm. Acht Einzelscheiben – zwei neben und vier übereinander – bilden jeweils miteinander verbundene Streifen zum Aufbau der Fassade. Sechs Einzelpunkthalter tragen pro Scheibe die Lasten aus Wind, Eigengewicht usw. an die dahinter gespannte Seilkonstruktion ab. Die Punkthalter sind teilweise mit Stabelementen idealisiert, diese wiederum biegesteif miteinander verbunden. Der Anschluss der Glasplatten ist gelenkig. Die Seilkonstruktion besteht aus jeweils zwei vorgespannten Seilen mit einer Spreizung in der Scheibenmitte. Querriegel in den Gebäudeebenen – sie entsprechen etwa der Einzelscheibenhöhe – dienen der horizontalen Aussteifung. Bei jeder zweiten Scheibe sind die Riegel zum Gebäude hin über druck- und zugfest angeschlossene Streifen angekoppelt. Die horizontale Aussteifung erfolgt über Ausfachungen zwischen den Streifen im Innenraum. Zur Absturzsicherung sind die untersten Glasscheiben am unteren Rand, also am Ende des Betonkragarms im Foyer, linienförmig aufgelagert. Das obere Auflager besteht aus einem umlaufenden Rundrohr im Bereich der Dachkonstruktion.

Referenzen