© Christian Richters
© Christian Richters

Projekt

Seattle Central Library

Auftragsvolumen

12.889 m² | 10.405 m²

Architekten

Rem Koolhaas, Office for Metropolitan Architecture
LMN Architects
Landschaftsarchitekt: Petra Blaisse, Jones & Jones
Lichtplaner: Kugler Tillotson Associates

Fertigstellung

2004

Anwendung

Fassade | Dach

Gebäudetyp

Lehr- und Bildungsbau

Seattle Central Library

Seattle, Washington, USA

Auf den ersten Blick wirkt die neue Zentral­bibliothek in Seattle kaum wie ein öffentliches Gebäude, schon eher wie ein gestrandetes Raumschiff. Architekt Rem Koolhaas setzt den konventionellen Hüllen der ehrwürdigen Institution ein zwölfgeschossiges Glasprisma entgegen. Mit seiner aufregenden Form und einem ausgefeilten Nutzungskonzept soll es nach dem Wunsch des Bauherren neue Besucher­gruppen für die Bibliothek erschließen.

Die Fassade zeigt sich als riesiges Rhombengitter. Mit ihren geneigten Trägern sorgt die aufwendige Stahl­konstruktion für einen markanten Auftritt und dient zugleich dem Schutz bei Erdbeben. 10.000 meist rautenförmige Isolierglaspaneele sind in die Konstruktion eingehängt. Die meisten Isoliergläser enthalten eine Einlage aus Aluminium-Streckmetall, eine Neuentwicklung von OKALUX für Rem Koolhaas. OKATECH Streckmetall verleiht der Außenhaut einen metallischen Glanz und lässt die Fassade im Sonnenlicht reizvoll schimmern. Für die Benutzer der Bibliothek schafft das Isolierglas ein weiches Raumlicht in den Lesebereichen und dient als Sonnen- wie als Blendschutz. Die Verglasung ist teiltransparent: Das feinmaschige Perforationsmuster der Einlage ermöglicht einem innen stehenden Betrachter die Durchsicht nach außen und bildet zugleich einen optischen Abschluss für außen stehende Betrachter.

Die OKATECH Streckmetall-Einlage ist nicht nur ein markantes Element der Gestaltung, sondern funktioniert auch als richtungsselektives Tageslichtsystem. Die Verglasung erreicht beim thermischen Sonnenschutz für hohe Einfallswinkel des Sonnenlichts minimale Werte an den hohen Fassadenabschnitten (g-Wert bis 0,13 für senkrechte Einstrahlung). Der Grund sind die unzähligen, asymmetrisch ausgestellten Metall-Perforationen. Sie wirken als Beschattungselemente in Miniaturform. So ist das Isolierglaspaneel eine visuell und technisch gelungene Synthese von Sonnenschutz und Durchsicht.

Entsprechend gestiegener U-Wert-Anforderungen in den USA wird in der Bibliothek überwiegend eine Dreifach-Verglasung verwendet. Der Aufbau der Scheiben im Detail: Außen 6 mm Einscheiben­sicherheitsglas ESG, 2 mm Scheibenzwischenraum mit Aluminium-Streckmetalleinlage, teilvorgespanntes Sicherheitsglas TVG 6 mm mit Sonnen- und Wärme­schutzschicht. Je nach Lage des Glases im Gebäude folgen ein Gaszwischen­raum mit 8 bis 12 mm und teilvorgespanntes Sicherheitsglas TVG 6 mm oder alternativ ein Verbund­sicherheitsglas VSG 2 x 5 mm, z.B. bei Überkopf­verglasung.

In die Fassade wurden insgesamt 10.000 Scheiben eingesetzt, die Hälfte davon mit individuellen Scheibenmaßen – eine logistische Herausforderung für Produktion, Lieferung und Montage. Die Ausführung der komplexen Fassade der Seattle Library übernahm Seele L.P., Chicago, ein Tochterunternehmen der Seele & Co. KG, Gersthofen. Vor Ort wurden Rem Koolhaas und sein Office of Metropolitan Architecture, Rotter­dam, unterstützt von LMN Architects, Seattle, die bereits eine Vielzahl großer Projekte der öffentlichen Hand in den USA realisierten.

Referenzen